Wie berechne ich die Auftrittsbreite einer Treppe im Altbau?
Die Auftrittsbreite (Trittfläche) ist entscheidend für den Komfort und die Sicherheit einer Treppe. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, welche Formeln und Richtwerte in Deutschland gelten, wie Sie die Auftrittsbreite für eine Altbaustrecke ermitteln und geben zwei praktische Rechenbeispiele. Nutzen Sie anschließend unseren Treppenrechner, um alle Werte automatisch zu prüfen.
1. Warum die Auftrittsbreite wichtig ist
Eine zu schmale Trittfläche erhöht das Stolper‑ und Sturzrisiko, besonders bei älteren Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität. Gleichzeitig darf die Auftrittsbreite nicht zu breit sein, weil sonst die Lauflänge der Treppe zu groß wird und das Raumvolumen unnötig beansprucht.
2. Gesetzliche Grundlagen und gängige Richtwerte
In Deutschland gibt es keine einheitliche Norm, die exakt die Auftrittsbreite vorschreibt, jedoch orientieren sich Fachplaner an den Empfehlungen der DIN 18065 (Barrierefreies Bauen) und an ergonomischen Faustregeln:
Minimale Auftrittsbreite: 24 cm (für reine Wohnbereiche, nicht barrierefrei).
Empfohlene Auftrittsbreite für Wohn‑ und Arbeitsbereiche: 26 – 30 cm.
Barrierefreie Treppen (DIN 18065): mindestens 28 cm, besser 30 cm.
Die Formel von Blondel (auch „2 × H + R = 63 cm“) verbindet Auftrittsbreite (R) und Stufenhöhe (H) zu einer komfortablen Gesamtlaufhöhe.
3. Die Formel von Blondel anwenden
Blondel‑Formel: 2 × H + R ≈ 63 cm (H = Stufenhöhe, R = Auftrittsbreite). Sie lässt sich umstellen, um R zu berechnen:
R = 63 cm – 2 × H
Beispiel: Bei einer Stufenhöhe von 17 cm ergibt sich
R = 63 cm – 2 × 17 cm = 63 cm – 34 cm = 29 cm
Damit liegt die Auftrittsbreite im empfohlenen Bereich.
4. Schritt‑für‑Schritt‑Berechnung für den Altbau
Gesamthöhe der Treppe ermitteln – Abstand vom Fußboden des unteren Stockwerks bis zum Fußboden des oberen Stockwerks (inkl. Auflagefläche).
Gewünschte Stufenhöhe wählen – im Altbau häufig 16 – 18 cm, weil die vorhandenen Bauteile begrenzt sind.
Anzahl der Stufen bestimmen – Gesamthöhe durch Stufenhöhe teilen und auf die nächste ganze Zahl aufrunden.
Auftrittsbreite mit Blondel berechnen – Formel umstellen und prüfen, ob das Ergebnis innerhalb der Richtwerte liegt.
Platzbedarf prüfen – Auftrittsbreite × (Anzahl der Stufen – 1) ergibt die notwendige Lauflänge. Passt das in den vorhandenen Raum?
5. Praktische Beispiele
Beispiel 1: Kleine Wohnung, Gesamthöhe 2,40 m
Gesamthöhe: 240 cm
Gewählte Stufenhöhe: 17 cm
Anzahl Stufen: 240 cm ÷ 17 cm = 14,12 → 15 Stufen (nach oben gerundet)
Neue Stufenhöhe: 240 cm ÷ 15 = 16 cm
Auftrittsbreite nach Blondel: R = 63 cm – 2 × 16 cm = 31 cm
Benötigte Lauflänge: 31 cm × (15 – 1) = 434 cm
Die errechnete Auftrittsbreite von 31 cm liegt leicht über dem empfohlenen Maximum, aber im Wohnbereich akzeptabel. Der Platzbedarf von 4,34 m muss im Grundriss geprüft werden.
Beispiel 2: Altbau mit hohen Decken, Gesamthöhe 3,00 m
Gesamthöhe: 300 cm
Gewählte Stufenhöhe: 18 cm
Anzahl Stufen: 300 cm ÷ 18 cm = 16,67 → 17 Stufen
Neue Stufenhöhe: 300 cm ÷ 17 = 17,65 cm (≈ 18 cm)
Auftrittsbreite nach Blondel: R = 63 cm – 2 × 17,65 cm ≈ 27,7 cm
Benötigte Lauflänge: 27,7 cm × (17 – 1) ≈ 444 cm
Mit einer Auftrittsbreite von 27,7 cm liegt die Treppe knapp unter dem Mindestwert für barrierefreie Treppen von 28 cm. Der Platzbedarf von rund 4,44 m ist in vielen Altbauten realisierbar.
6. Was tun, wenn die Auftrittsbreite zu klein wird?
Im Altbau kann die verfügbare Wandlänge begrenzt sein. Folgende Maßnahmen helfen:
Stufenhöhe leicht erhöhen (max. 19 cm) – reduziert die notwendige Anzahl von Stufen.
Treppenlauf versetzen (z. B. über die Wand oder in den Flur), um mehr Lauflänge zu gewinnen.
Zwischentreppen (Podeste) einplanen, um die Gesamtlänge aufzuteilen.
7. Schnellkontrolle mit dem Treppenrechner
Nachdem Sie die Werte manuell ermittelt haben, können Sie sie im Treppenrechner eingeben. Der Rechner prüft automatisch, ob Stufenhöhe, Auftrittsbreite und Lauflänge zusammenpassen und gibt Ihnen eine sofortige Rückmeldung.
8. Hinweis
Die hier dargestellten Berechnungen dienen als allgemeine Planungshilfe. Sie ersetzen keine individuelle Bau- oder Statikberatung. Bei Unsicherheiten sollte ein Fachplaner oder Architekt hinzugezogen werden.